Filmformat mit 70mm-Negativbreite und zehnfach größerem Negativ als 35mm — extreme Auflösung, Brillanz und Sättigung. Nur für großformatige Kinos rentabel, dafür unvergleichlich.
Wer 70mm IMAX dreht, arbeitet mit einem Material, das die Grenzen dessen verschiebt, was Kino überhaupt leisten kann. Das Negativ ist zehnmal größer als 35mm — wir reden von einer Bildbreite von 70 Millimetern bei horizontalem Transport durch die Kamera. Diese rohe Größe bedeutet: extreme Auflösung, Farbtiefen, die man so nirgendwo sonst sieht, und eine Körnigkeit, die erst bei extremem Zoom sichtbar wird. Am Set arbeitet man mit Kameras, die massiv sind, laut, und deren Magazine schnell leer sind — eine 65mm IMAX-Kamera lädt typischerweise nur fünf bis sechs Minuten Material. Jede Sekunde Film kostet entsprechend.
Das Entscheidende: 70mm IMAX rentiert sich nur in großformatigen Kino-Ausspielungen. Wer das Format wählt, entscheidet sich bewusst dafür, dass der Film ausschließlich in spezialisierten Häusern läuft — IMAX-Theater mit entsprechend großen Leinwänden (bis 20 × 26 Meter). Christopher Nolan hat das verstanden und nutzt 70mm IMAX seit Jahren gezielt für einzelne Sequenzen, um maximale visuelle Autorität zu erreichen. Die Kamera läuft während dieser Takes mit konstanter Geschwindigkeit, weil Unebenheiten sofort in diesem Format sichtbar werden. Ein Kameraassistent muss hier mit absoluter Präzision arbeiten — jede Unschärfe ist keine »künstlerische Entscheidung«, sondern ein Fehler.
Im Schnitt wird es kompliziert: Das Material muss auf speziellen DCP-Systemen ausgespielt werden, nicht auf Standard-4K-Editoren. Farb-Grading auf kleinen Monitoren ist nutzlos — man braucht Zugang zu 70mm-Vorführungen, um wirklich zu sehen, wie die Bilder aussehen. Und die Archivierung ist teuer. Filmemacher, die 70mm verwenden, tun das aus einer klaren visuellen Notwendigkeit heraus, nicht aus Nostalgie. Es ist das letzte analoge Großformat im Mainstream-Kino, und es verlangt Respekt vor seiner Materialität und seinen Grenzen.