Koordinierte Serie von Drehtagen für einen Film oder eine Serie — eine »Unit« mit festem Regisseur, Crew und Rhythmus. Budget und Zeitplan hängen an dieser Einheit.
Eine Kampagne ist die organisatorische und zeitliche Grundeinheit einer Filmproduktion — ein in sich geschlossener Dreizeitraum mit einer definierten Crew, einem Regisseur und einem fixen Budget-Rahmen. Du planst nicht den ganzen Film auf einmal; du zerlegst ihn in mehrere solcher Kampagnen, jede mit eigenem Rhythmus, eigenen Locations und oft auch eigenen Schauplatz-Schwerpunkten. Das ist die einzige Weise, wie große Produktionen überhaupt handhabbar werden.
Die Kampagne unterscheidet sich vom einzelnen Drehtag dadurch, dass sie eine kohärente Einheit bildet — idealerweise zwei bis vier Wochen Dauerbrenner an denselben Locations oder mit denselben Darstellern. Der Production Manager plant sie herunter bis zur Stunde: Welche Szenen drehen wir in Kampagne eins (München, Innenräume)? Welche folgen in Kampagne zwei (Berlin, Außen)? Das Drehbuch wird regelrecht zergliedert nach geografischen und logistischen Schwerpunkten, nicht nach dramaturgischer Reihenfolge. Eine Kampagne bindet Personal: einen Line Producer, einen 1. AD, die gleichen Grips und Gaffes für Kontinuität in der Beleuchtungs-Philosophie. Wechselst du Location, wechselst du oft auch die Kampagne — und damit auch Teile der Crew.
Praktisch heißt das: Du verhandelst Locations nicht für einen einzelnen Tag, sondern für eine ganze Kampagne. Du buchst Hotels in Blöcken. Du kalkulierst Transport-Kosten pro Kampagne, nicht pro Dreh. Wenn eine Kampagne vier Wochen dauert und du täglich 10 Seiten drehen sollst, dann sind das 200 Seiten pro Kampagne — das ist dein realistischer Rhythmus. Viele Produktionen fahren mit 2–3 Kampagnen; große Serien mit 6–8. Der Budget-Kontrolle liegt immer die Kampagne zugrunde: »Kampagne 2 hat 12% over budget« — nicht »Dienstag war zu teuer«.
Die größte Herausforderung: Du musst die Kontinuität über alle Kampagnen hinweg halten. Wenn Kampagne eins und Kampagne drei die gleiche Figur in der gleichen Kleidung zeigen, aber drei Wochen auseinander liegen, muss die Kostüm-Designerin Fotos machen. Script Supervisor führt Protokoll über jeden Detail-Wechsel. Auch die Beleuchtung muss »matchen«, wenn Szenen später geschnitten werden, die in verschiedenen Kampagnen gedreht wurden. Das ist der unsichtbare Zusatz-Aufwand, den jede Kampagne-Struktur mit sich bringt — aber ohne sie wäre professionelle Filmherstellung unmöglich.