Cine-Mod: Umbau von Fotoobjektiven zu Filmoptiken. Zahnkränze, Deklicking der Blende und einheitliche Front-Durchmesser werden nachgerüstet.
Technische Details
Standard-Cine-Mods umfassen die Installation von 0,8-Gear-Pitch-Zahnkränzen am Fokusring (270-300° Drehbereich) und Blendenring (90-120° Drehbereich). Der Fokus-Throw wird auf Cinema-Standard von 270° erweitert, verglichen mit den ursprünglich 90-120° bei Fotoobjektiven. Declicking der Blendenringe ermöglicht stufenlose Blendenwertänderungen während der Aufnahme. Zusätzlich werden einheitliche Front-Durchmesser (meist 80mm oder 95mm) für Mattebox-Systeme installiert und die Objektivlänge standardisiert, um Lens-Breathing bei Objektivwechseln zu minimieren.
Geschichte & Entwicklung
Die ersten systematischen Cine-Mods entstanden um 2008 durch Duclos Lenses und GL Optics, als DSLR-Kameras wie die Canon 5D Mark II Filmproduktionen revolutionierten. 2010 etablierte sich der 0,8-Gear-Pitch als Industriestandard. Zeiss führte 2011 mit der CP.2-Serie werksseitig modifizierte Versionen ihrer ZF-Objektive ein. Seit 2015 bieten Hersteller wie Sigma, Tokina und Rokinon direkt Cinema-Versionen ihrer Objektive an, wodurch der Aftermarket-Mod-Markt bei High-End-Optiken zurückgeht.
Praxiseinsatz im Film
Shane Hurlbut verwendete 2012 für "Act of Valor" ausschließlich cine-gemodete Canon L-Objektive an RED Epic-Kameras. Typischer Workflow: Objektive werden 4-6 Wochen vor Drehbeginn zum Modifier geschickt, Kosten liegen bei 800-2.500 Euro pro Objektiv. Bei "The Avengers" (2012) nutzte Seamus McGarvey cine-gemodete Leica Summilux-Objektive für Handheld-Sequenzen. Vorteil: Kostengünstige Alternative zu Zeiss Master Primes (25.000+ Euro) bei vergleichbarer optischer Qualität. Nachteil: 2-4 Wochen Lieferzeit und Garantieverlust.
Vergleich & Alternativen
Cine-Mods unterscheiden sich von nativen Cinema-Lenses durch nachträgliche Anpassung bestehender Foto-Optiken, während echte Cinema-Objektive von Grund auf für Filmproduktion entwickelt werden. Moderne Alternativen sind werksseitige Cinema-Versionen wie Sigma Cine oder Canon CN-E Serien. Für Low-Budget-Produktionen bleiben Cine-Mods attraktiv: Canon 24-70mm L cine-gemod kostet 3.500 Euro total, vergleichbare Canon CN-E 24-70mm kostet 8.500 Euro neu. Bei High-End-Produktionen dominieren zunehmend native Cinema-Optiken durch bessere Qualitätskontrolle und Herstellergarantie.