Optische Korrektur anamorphotischer Verzerrung — seitliches Dehnen der anamorphen Optik zurück in 1:1-Verhältnis. Erfolgt in Post oder mit Desqueeze-Linsen am Set.
Wer mit anamorphem Glas dreht, muss das seitlich gedehnte Bildformat irgendwann wieder zurück in die natürlichen Proportionen bringen — das ist der Kern des Désanamorphosierens. Die anamorph-Optik quetscht beim Aufnehmen horizontal, erzeugt diesen charakteristischen ovalen Bokeh und die breiten Flares. Im Schnitt oder schon am Set wird diese Dehnung rückgängig gemacht, indem das Bild horizontal gestaucht wird, bis es wieder 1:1-Pixelverhältnisse hat. Ohne diesen Schritt sähe dein Talent aus wie durch eine Funhouse-Spiegeltür gefilmt — Gesichter oval, Bewegungen seltsam.
In der Praxis passiert das fast immer in der Post. Dein DIT oder Colorist lädt die RAW-Dateien in DaVinci Resolve oder ein anderes System und wendet einen Desqueeze-Node an — eine horizontale Stauchung um den Faktor 2,0 (beim Standard-Anamorphot) oder 1,3 (je nach Glas und Hersteller). Die Rechnung ist simpel: Wenn du mit 4:1-anamorphem Glas auf einem 4K-Sensor aufnimmst, speicherst du faktisch 8K-Bildinformation, brauchst aber nur 4K auszugeben. Das Desqueeze komprimiert die horizontale Achse und du erhältst dein korrektes, kinogerechtes Breitbildformat.
Es gibt aber auch physische Lösungen für den Set-Workflow: sogenannte Desqueeze-Linsen oder Korrektusvorsätze, die du vor dem Monitor oder die Kamera stackst. Damit siehst du das Bild already desqueezed im Sucher — praktisch, um Focus-Pullerisch zu justieren, ohne mental umrechnen zu müssen. Digitale Monitore wie Atomos Ninja oder SmallHD können das auch in Echtzeit berechnen, indem du einfach im Menü den Anamorphot-Type einstellst.
Der kritische Punkt: Qualitätsverlust ist minimal, wenn du mit ausreichend Auflösung drehst und saubere Interpolation nutzt. 6K anamorphe Aufnahmen desqueezed zu 4K sind völlig Standard. Aber wenn du bereits im Codec komprimierst (ProRes, etc.), musst du vorher desqueezen — Fehlerakkumulation sonst vorprogrammiert. Manche Crews desqueezen auch bewusst erst in Grading, um maximale Kontrolle über Scharfzeichnung und Farbanpassung zu haben. Das erfordert aber ein 32-bit oder float-Projekt und ein geiles Rendering.