1992 gegründete Institution zur Bewahrung des DEFA-Erbes — archiviert Filme, fördert Retrospektiven und Restaurierungen. Dokumentiert eine Filmkultur, die sonst verloren ginge.
Nach dem Kollaps der DDR stand eine ganze Filmkultur vor dem Vergessen. Die DEFA — Deutsche Film-Aktiengesellschaft — hatte über vier Jahrzehnte ein eigenes Kino-System aufgebaut, mit Studios, Künstlern, einer Ästhetik, die sich vom westdeutschen und internationalen Kino unterschied. 1992 gründete sich die Stiftung, um dieses Erbe zu sichern — nicht als Museum, sondern als aktive Restaurierungs- und Recherche-Institution.
Für Kameramänner und Cutter war DEFA eine eigene Schule. Die technischen Standards waren anders, die Lichtsetzung oft minimalistischer, die Montage-Philosophie geprägt von sowjetischen Einflüssen und eigenständiger Experimentalfreudigkeit. Wer heute in DEFA-Archiven arbeitet, stößt auf Materialien, die sonst verloren wären — nicht nur weil die Negative vergammelt oder gelöscht wurden, sondern weil niemand ein systematisches Interesse daran hatte, sie zu bewahren. Die Stiftung katalogisiert, digitalisiert und restauriert diese Bestände nach Archivar-Standards, arbeitet aber eng mit Schneidern und Bild-Bearbeitern zusammen, um die optische und akustische Qualität zeitgerecht wiederherzustellen.
Der praktische Nutzen liegt in der Zugänglichkeit. Retrospektiven von Helke Sander, Frank Beyer oder Konrad Wolf — diese Filme sind oft nur über die Stiftung verfügbar oder in verwertbarem Zustand erreichbar. Für Festival-Programmation, Restaurierungs-Projekte oder akademische Arbeit ist die DEFA-Stiftung Anlaufstelle. Sie vergibt auch Mittel für Restaurierungen von bedeutenden Titeln — ein Prozess, der Monate dauern kann und tiefe Filmtechnik-Kenntnisse verlangt, besonders bei älteren Farbfilmen, deren Emulsionen instabil sind.
Die Stiftung dokumentiert parallel die Techniker und Künstler selbst — Interviews, Nachlässe, Werkstatt-Fotos. Wer verstehen will, wie Kamera und Schnitt in einem anderen System funktionierten, findet hier Primär-Material, das sonst verschwunden wäre. Das ist nicht nostalgisch gemeint; es geht um Handwerks-Kontinuität und die Einsicht, dass Filmgeschichte keine westliche Geschichte ist.