Deutsche Behördenkommission (1950er–80er) für Filmfinanzierung und politische Kontrolle während Kaltem Krieg. De-facto-Zensurbehörde für Koproduktionen zwischen BRD und DDR.
Während des Kalten Krieges brauchte man in der Bundesrepublik eine Instanz, die entschied, welche Filme mit dem Osten gemacht werden durften und welche nicht. Dieser Ausschuß, besetzt mit Vertretern aus Außenministerium, Innenministerium und Kulturressort, fungierte de facto als politische Kontrollstelle für alle Koproduktionen zwischen BRD und DDR — und später auch mit anderen Ostblock-Ländern. Er war nicht öffentlich, arbeitete hinter verschlossenen Türen, und seine Entscheidungen waren für Produzenten bindend, wenn sie staatliche Förderung oder Genehmigungen brauchten.
Die praktische Funktionsweise war simpel, aber wirksam: Ein Produzent reichte ein Exposé ein. Der Ausschuß prüfte nicht nur die künstlerische Qualität, sondern vor allem die politische Opportunität — ob der Film das Verhältnis zu Ostdeutschland oder anderen sozialistischen Ländern gefährden könnte. Harsche Kritik am DDR-System? Problematisch. Ein zu wohlwollendes Bild vom Osten? Ebenfalls suspekt. Man lavierte zwischen kulturellem Austausch und ideologischer Sicherheit. Manche Projekte wurden blockiert, andere bekamen grünes Licht nur unter Bedingung von Drehbuch-Änderungen. Die Gremium-Mitglieder waren nicht Künstler, sondern Diplomaten und Beamte — ihre Perspektive war Außenpolitik, nicht Ästhetik.
Für Kameraleute und Crews war das meist unsichtbar. Wir drehten, was genehmigte Scripts vorgaben. Aber Produzenten und Autoren kannten diese Hürde und schrieben oft schon mit dem Ausschuß im Hinterkopf — selbst-zensierend, bevor es überhaupt zur Begutachtung kam. Das war die subtile Macht solcher Gremien: Sie brauchten gar nicht jeden Film zu verbieten. Die bloße Existenz führte zu Selbstbeschränkung. In den 1960ern und 70ern lockerte sich die Praxis etwas, aber bis in die 80er hinein blieb der Ausschuß ein Faktor für Ost-West-Projekte.
Nach 1990 verschwand das Gremium. Es gehörte zu einem System, das seine Funktion erledigt hatte. Heute wirkt es wie ein Relikt einer anderen Ära — aber damals war es der unsichtbare Türsteher zwischen zwei deutschen Filmlandschaften.