Sensor-Empfindlichkeit gegenüber Licht — erhöhen bei wenig Licht, senken bei viel Sonne. Jede Verdopplung bringt eine Blendenstufe mehr, aber auch mehr Rauschen.
Auf Set arbeitest du ständig mit drei Variablen: Blende, Verschlusszeit und eben ISO. Der ISO-Wert bestimmt, wie empfindlich dein Sensor auf einfallendes Licht reagiert. Verdoppelst du ISO von 400 auf 800, gewinnst du eine volle Blendenstufe — das heißt, du kannst entweder abblenden oder die Belichtungszeit verkürzen. Klingt praktisch? Ist es auch. Aber der Preis ist Rauschen, und das merkst du sofort in der Gradepost.
In der Praxis läuft es so ab: Du stehst in einem Klassenzimmer, Tageslicht nur von vorne, und die Regisseurin will eine enge 2.8er Einstellung mit bewegter Kamera. Bei ISO 200 unterlichten, bei ISO 3200 sauber belichtet — aber jetzt siehst du bereits im Viewfinder das Grain. Bei modernen Digitalkameras (Red, Arri Alexa, Sony) ist das Rauschen bei 1600–3200 noch handhabbar, besonders wenn du Log-Material dreht und es im Schnitt gezielt entstören kannst. Aber bei 6400 und darüber wird's kritisch: die Farb-Separation löst sich auf, feine Texturen verschwimmen, der Colorist flucht später beim Grading.
Daher der Trick: Native ISO deiner Kamera ist dein Freund. Jedes Modell hat einen oder mehrere ISO-Werte, bei denen der Sensor optimal arbeitet — bei der Alexa Classic typisch ISO 800, bei modernen Varianten oft 200–800. Andere ISO-Einstellungen werden digital hochgerechnet, was zwangsläufig Informationsverlust bedeutet. Wenn du über Native gehen musst, dann lieber mit ND-Filter arbeiten und die Blende öffnen, als ISO hochzufahren. Ein 0.6 ND (zwei Blendenstufen Reduktion) kostet dich weniger Bildqualität als zwei Blendenstufen ISO-Push.
Praktisches Szenario: Nachtaufnahme, Autos fahren, du brauchst 1/50s für Motion Blur, Blende 4.0, aber bei ISO 400 ist's dunkel. Statt auf ISO 1600 zu gehen, montierst du einen 0.9 ND auf dein Objektiv, stellst ISO 800 ein, erhöhst die Blende auf 2.8 — Resultat ist sauberer, kontrastiger, weniger elektronisches Rauschen. Am Set fragst du dich immer: Kann ich Licht hinzufügen oder einen Filter nutzen? Das ist billiger und besser als digitale Fehlerkompensation durch ISO. Die Sensor-Empfindlichkeit ist kein Problem — falsche Nutzung ist es.