Kurzform für Lavalier-Mikrofon — kleines Ansteckmikro, das am Körper versteckt wird.
Technische Details
Moderne Lav-Systeme arbeiten im UHF-Bereich zwischen 470-890 MHz mit einer Sendeleistung von 10-50 mW. Die Reichweite beträgt 100-300 Meter bei Line-of-Sight-Verbindung. Professionelle Systeme wie Sennheiser G4 oder Lectrosonics erreichen einen Dynamikbereich von bis zu 134 dB und Signal-Rausch-Abstände von 110 dB. Die Batterielaufzeit des Bodypacks liegt bei 6-8 Stunden mit AA-Batterien oder Lithium-Akkus. Verschiedene Mikrofonkapseln (omnidirektional, nieren- oder kugelcharakteristisch) ermöglichen Anpassung an spezifische Aufnahmesituationen.
Geschichte & Entwicklung
1959 entwickelte Electro-Voice das erste drahtlose Lavalier-System für Fernsehproduktionen. Sony brachte 1971 mit dem WRT-27 das erste kompakte System auf den Markt. Der Durchbruch für Filmproduktionen kam 1984 mit Sennheisers evolution-Serie, die erstmals zuverlässige Übertragung auch bei Bewegung gewährleistete. Ab den 1990ern ermöglichte Digitaltechnik mehrere simultane Kanäle ohne Interferenzen. Heute nutzen Systeme wie Zaxcom TRX900 digitale Verschlüsselung und integrierte Aufzeichnung.
Praxiseinsatz im Film
In "1917" (2019) verwendete Sound Mixer Stuart Wilson über 20 Lav-Kanäle für die One-Shot-Sequenzen, da Booms bei den komplexen Kamerabewegungen unmöglich waren. Bei Actionfilmen wie "John Wick 3" (2019) sorgen wasserdichte Lavs für kontinuierliche Audioaufnahme während Kampfszenen. Der Standard-Workflow umfasst Platzierung am Brustbein, unter Kostümen oder an BH-Trägern, wobei Moleskin-Tape Reibungsgeräusche verhindert. Nachteile: Rascheln von Kleidung, Schweiß-Empfindlichkeit und begrenzte Bassfrequenzen unter 100 Hz.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber Boom-Mikrofonen bieten Lavs Bewegungsfreiheit und konstante Mikrofonposition, jedoch schlechtere Klangqualität und Umgebungsgeräusch-Aufnahme. Shotgun-Mikrofone übertreffen Lavs in Richtcharakteristik und Natürlichkeit, sind aber bei weiten Einstellungen unpraktisch. Plant-Mikrofone (versteckt im Set) eliminieren Sichtbarkeits- und Kostümprobleme, bieten jedoch weniger Kontrolle über Pegel. Moderne Alternativen wie Tentacle Track E ermöglichen 32-Bit-Float-Aufzeichnung direkt am Bodypack, wodurch Übersteuerung unmöglich wird und Post-Production-Flexibilität steigt.