Übersicht aller Einstellungen des Drehtags — Szene, Einstellung, Kamera, Objektiv, Bewegung. Koordiniert Set-Aufbau und hält Kontinuität fest.
Am Set funktioniert ein Lineup-Formular wie ein Laufzettel für die Kamera — ohne ihn herrscht Chaos. Du schreibst dort für jede Einstellung des Tages auf: Szenenummer, Einstellungsgröße (Totale, Halbtotale, Nahaufnahme), Objektiv, Kamera-Bewegung (Zoom, Schwenk, Tracking), Beleuchtungsnotizen und falls nötig den geplanten Take-Ablauf. Die Scriptsupervisorin oder ein Setmanager führt das Formular, aber die Kamera muss es lesen und mittragen — sonst verlierst du die Kontinuität zwischen den Einstellungen einer Szene.
In der Praxis passiert das so: Der 1. Kameraassistent (Focus Puller) erstellt morgens oder am Vortag bereits eine Rohfassung basierend auf Regie und DP-Besprechung. Dann wird es während des Dreh-Tages permanent aktualisiert. Jede Änderung — anderes Objektiv, spontaner Dolly-Shot statt Zoom, höhere/niedrigere Kamera-Position — muss sofort eingetragen werden. Das klingt nach Bürokratie, aber es ist Gedächtnis. Beim Schnitt oder bei Reshoots zwei Wochen später brauchst du nicht zu raten, mit welcher 35mm-Festbrennweite die Schuss-Gegenschuss gedreht wurde. Die Farbwerte der Beleuchtung stehen drin, die Tiefenschärfe-Einstellungen — alles.
Das Lineup-Formular ist eng verwandt mit dem Shot List (die redaktionelle, narrative Planung) und dem Exposure Sheet (Belichtungs-Daten), unterscheidet sich aber darin, dass es wirklich im Realtime-Drehprozess lebt und operative Koordination ist, nicht nur Dokumentation. Ein gutes Formular hat Spalten für: Szene-Nr., Einst.-Nr., Beschreibung, Objektiv/Blende, Bewegung, Art des Lichts (Key-Light-Position, Temperatur falls relevant), Actor Positions, Dolly-Start/-End, Frame-Rate (bei VFX wichtig), Lens-Distortion-Info. Manche Gaffer und Focus-Puller nutzen auch ein vereinfachtes digitales Format — ein Tablet-Sheet, das live am Set gefüllt wird und direkt an den DIT (Digital Imaging Technician) geht.
Der größte Fehler ist, das Lineup-Formular als reine Verwaltungsaufgabe zu sehen. Es ist eine Kommunikations-Infrastruktur. Wenn Regie plötzlich sagt, "noch ein Close-up der Hand", trägt man das ein — sonst wissen Schnitt und VFX nicht, ob es eine Fortsetzung der Einstellung davor ist oder ein neuer Winkel. Kein Formular = keine Nachverfolgbarkeit. Das kostet in der Post-Production Zeit und Geld.