70mm-Kamerasystem von Panavision mit sphärischen Objektiven für Breitbildaufnahmen im 2,20:1-Format ohne anamorphe Verzerrung.
Technische Details
Das System verwendet 65mm-Negativfilm mit einer effektiven Bildfläche von 52,6mm Breite und 23,0mm Höhe bei einer Perforation von 5 Löchern pro Bild (5-perf). Die Kamerageschwindigkeit beträgt standardmäßig 24 Bilder pro Sekunde. Super Panavision 70 arbeitet mit sphärischen Objektiven anstatt anamorphen Linsen, wodurch keine optische Kompression stattfindet. Die Panavision-Kameras verwenden das Mitchell-Bewegungswerk mit präziser Filmführung durch Registerstifte. Für die Kinoprojektion wird das 65mm-Negativ auf 70mm-Kopien übertragen, wobei die zusätzlichen 5mm für bis zu sechs magnetische Tonspuren genutzt werden.
Geschichte & Entwicklung
Panavision führte Super Panavision 70 1959 als Konkurrenz zu Todd-AO ein. Der erste Film war "Ben-Hur" (1959) unter der Regie von William Wyler. Das System entstand aus der Notwendigkeit, ein 70mm-Format ohne die Lizenzgebühren für Todd-AO anzubieten. Robert Gottschalk, Gründer von Panavision, entwickelte das System in Zusammenarbeit mit MGM. In den 1960er Jahren etablierte sich Super Panavision 70 als bevorzugtes Großformat für Monumentalfilme und Roadshow-Produktionen.
Praxiseinsatz im Film
Bedeutende Produktionen umfassen "Lawrence von Arabien" (1962), "Doktor Schiwago" (1965) und "2001: Odyssee im Weltraum" (1968). Stanley Kubrick nutzte das Format für seine präzisen Kompositionen und die hohe Detailauflösung in Weltraumsequenzen. David Lean schätzte die Möglichkeit, Landschaften ohne anamorphe Verzerrung in extremer Schärfe zu erfassen. Der Workflow erforderte speziell ausgerüstete Kinos mit 70mm-Projektoren und magnetischer Tonwiedergabe, was die Vorführung auf Premiumkinos beschränkte.
Vergleich & Alternativen
Im Unterschied zu Panavision Anamorphic 35mm arbeitet Super Panavision 70 ohne optische Kompression und bietet damit verzerrungsfreie Bilder mit höherer Auflösung. Gegenüber Todd-AO (ebenfalls 65mm/70mm) verwendet es andere Kamerasysteme und Objektive, erreicht aber identische technische Spezifikationen. Moderne Alternativen sind IMAX 65mm mit größerem Bildformat (70mm × 48,5mm) und digitale Systeme wie ARRI Alexa 65. Heute wird Super Panavision 70 für Projekte eingesetzt, die analoge Großformataesthetik mit klassischem Seitenverhältnis verbinden wollen.