Optisches Verfahren zur Farbseparation und Schichtung in der analogen Filmtechnik — erzeugt subtile Farbeffekte durch Überbelichtung und Masken. Historisch für Farbeffekte genutzt.
Der Pinchard-Prozess war ein optisches Verfahren der analogen Filmtechnik, das Kameramänner und Optiker in den 1950er und 1960er Jahren nutzten, um subtile Farbeffekte direkt im Negativ zu erzeugen. Das Verfahren basierte auf mehrfacher Überbelichtung und selektiven Masken — man belichtete das Filmmaterial nacheinander mit verschiedenen Farbfiltern und Apertur-Einstellungen, wodurch einzelne Farbschichten sich subtil überlagerten. Anders als bei der klassischen Farbfilm-Mehrschichtentechnik ließ sich hier der Effekt direkt steuern.
In der Praxis funktionierte das so: Der Optiker erstellte zunächst eine hochkontrastreiche Schwarz-Weiß-Maske aus dem Original-Negativ, die bestimmte Bildbereiche isolierte. Dann wurden auf optischen Druckern mehrere Belichtungspässe durchgeführt — jeder mit anderen Farbfiltern und unterschiedlicher Intensität. Das erzeugte eine sanfte Farbmodulation, die besonders für Überblendungen, Fades oder subtile Farbgrading-Effekte genutzt wurde. Der Vorteil gegenüber echtem Colorgrading: Man konnte die Effekte präzise in der Kamera-Negative einbrennen, ohne auf Internegativ-Generationen angewiesen zu sein.
Das Verfahren erforderte jedoch äußerste Sorgfalt. Jeder Pass musste auf Zehntelsekunden berechnet werden; schon minimale Abweichungen führten zu Farbstichen oder unerwünschten Kontrastverlusterungen. Manche Labs in Hollywood und Paris spezialisierten sich darauf, es wurde aber auch rasch durch digitalere Verfahren verdrängt, sobald die Negativfilm-Optik in den 1970ern an ihre Grenzen stieß.
Heute ist der Pinchard-Prozess historisches Handwerk — relevant vor allem für Restaurateure und Digital-Coloristen, die verstehen wollen, wie alte Effekte entstanden. Wer mit analogen Archiv-Materialien arbeitet und subtile Farbversätze bemerkt, die nicht durch Standard-Schichtverfärbung erklärbar sind, könnte auf Pinchard-Prozess-Reste stoßen. Die Filmgeschichte ist voll solcher technischen Mikro-Innovationen, die fast völlig in Vergessenheit gerieten.