Vorbereitende Mischung verwandter Tonelemente zu Gruppen — Dialog, Musik und Geräusche werden getrennt vormischt.
Technische Details
Standard-Vormischungen umfassen Dialog-Stems (meist 5.1 oder 7.1 Surround), Musik-Stems (Stereo bis Atmos mit bis zu 128 Objekten) und Effekt-Stems, unterteilt in Atmosphären, Hard Effects und Foley. Die Stems werden in Pro Tools, Nuendo oder auf spezialisierten Mischpulten wie der AMS Neve DFC oder Avid S6 erstellt. Technische Parameter folgen Broadcasting-Standards: -23 LUFS für europäische Produktionen, -24 LUFS für US-amerikanische. Jeder Stem enthält Metadaten für Routing-Informationen und Automationsdaten. Bei Dolby Atmos-Produktionen entstehen Object-basierte Stems mit separaten Bed- und Object-Komponenten.
Geschichte & Entwicklung
Die Vormischung entwickelte sich 1941 bei Disney für "Fantasia", wo erstmals Musik, Dialog und Effekte getrennt vorgemischt wurden. 1953 führte 20th Century Fox das Three-Strip-System ein: einen Stem für Dialog, einen für Musik, einen für Effekte. Mit der Einführung von Dolby Stereo 1975 erweiterte sich das System auf sechs Stems. Die Digitalisierung in den 1990ern ermöglichte Non-destruktive Vormischungen mit unbegrenzten Versionen. Seit 2012 revolutionierte Dolby Atmos die Vormischung durch objektbasierte Audio-Stems, die dynamisches Positioning in 3D-Räumen erlauben.
Praxiseinsatz im Film
Bei "Mad Max: Fury Road" (2015) erstellte Sound Designer Mark Mangini über 200 Einzelspuren, die zu 12 Stem-Gruppen vorgemischt wurden. Christopher Nolans Filme verwenden typischerweise Dialog-, Musik- und drei Effekt-Stems (Mechanical, Organic, Synthesis). Die Vormischung erfolgt meist 2-3 Wochen vor der finalen Mischung in spezialisierten Dubbing Stages. Stems ermöglichen internationale Versionen durch Austausch einzelner Spurgruppen – der Dialog-Stem wird für Synchronfassungen ersetzt, während Musik und Effekte unverändert bleiben. Netflix fordert für Original-Produktionen standardisierte Stem-Deliveries in sechs Spurgruppen.
Vergleich & Alternativen
Im Gegensatz zur finalen Mischung (Final Mix) bleiben bei der Vormischung die Spurgruppen separat editierbar. Stems unterscheiden sich von Splits durch ihre bereits gemischte und bearbeitete Form – Splits enthalten rohe, unbearbeitete Einzelspuren. Moderne Cloud-basierte Systeme wie Source Connect ermöglichen Remote-Vormischungen zwischen verschiedenen Studios. Alternative Workflows nutzen Advanced Authoring Format (AAF) für nahtlose Übergabe zwischen Vormischung und Final Mix, wodurch alle Automationsdaten und Plug-in-Einstellungen erhalten bleiben.