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Gegenschuss
Kamera

Gegenschuss

Reverse Angle Shot
Murnau AI illustration
reverse shot travelling compense opposing tracking shot backlight compensation

Einstellung von der entgegengesetzten Seite — meist nach Schnitt vom ersten Winkel. Klassisch für Dialog, Blickkontakt und räumliche Orientierung.

Du drehst eine Dialogszene, die erste Einstellung sitzt — Schauspieler A spricht, Kamera von links. Jetzt brauchst du den Gegenschuss. Das ist nicht einfach die Kamera auf die andere Seite packen. Der Gegenschuss ist eine bewusste Positionierung der Kamera auf der entgegengesetzten Seite der imaginären Linie zwischen den Figuren, um räumliche Kontinuität zu schaffen und den Blick des einen Schauspielers auf den anderen zu etablieren. Im Schnitt funktioniert das wie ein Ping-Pong: Du siehst A sprechen, dann schneidest du auf B, die zuhört oder antwortet. Die Zuschauer orientieren sich sofort räumlich, auch wenn kein Establishing Shot vorher kam.

Die klassische Anwendung ist der Dialog über Schnitt — zwei Kameras, zwei Winkel, abwechselnd. Aber Gegenschuss bedeutet nicht automatisch 180 Grad exakt. Am Set rechnen wir mit einer Toleranzzone von etwa 160 bis 180 Grad. Wenn du zu nah dran vorbeigingst, springt die Geometrie und verwirrt den Zuschauer. Der Blickvektor ist entscheidend: Wenn Schauspieler A nach rechts oben schaut, muss die Gegenschuss-Kamera so positioniert sein, dass B ungefähr von links oben ins Bild kommt — sonst bricht die Blicklinie. Das nennt man im Schnitt Eyeline Match. Ohne die passt keine noch so gute Performance zusammen.

In der Praxis gibt es Variationen. Der Over-the-Shoulder Shot — eine Schulter A im Vordergrund, B hinter ihr — ist technisch auch ein Gegenschuss, nur mit Schärfentiefe-Spiel. Oder du machst einen True Reverse, wo du die Kamera buchstäblich umdrehst und von exakt 180 Grad neu positionierst. Bei Action brauchst du oft mehrere Gegenschüsse — aus verschiedenen Höhen, verschiedenen Entfernungen — damit du im Schnitt eine räumliche Spannung aufbauen kannst, nicht nur eintöniges Hin-und-Her.

Wichtig: Du schießt den Gegenschuss nach dem Original-Shot. Warum? Weil Licht, Blickrichtung, Mimik und Körperlage konsistent sein müssen. Du sitzt am Monitor und beobachtest genau, wohin der Schauspieler schaut, wo sein Körper steht. Dann positionierst du die zweite Kamera entsprechend — nicht vorher raten. Manche DPs nutzen einen Platzhalter oder halten ein Tablett in Augenhöhe, damit der Schauspieler auf den anderen Seite etwas Konkretes anschauen kann, statt ins Leere zu starren. Das macht den Match im Schnitt später viel sauberer.

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