Drehbare Filterhalterung in Mattebox oder Objektiv — ermöglicht stufenlose Rotation von Pol- oder Verlaufsfiltern während der Aufnahme.
Technische Details
Rotierende Filterstufen verwenden Schrittmotoren mit 200-400 Steps pro Umdrehung für präzise Filterpositionierung. Die Arri MMB-2 nutzt beispielsweise 8 Filterpositionen à 45°, während Chrosziel-Systeme bis zu 12 Filter in 30°-Schritten aufnehmen. Encoder-Feedback gewährleistet Positionsgenauigkeit von ±0,1°. Die Stromaufnahme liegt bei 12V/2A während der Rotation, im Stillstand bei unter 100mA. Hochwertige Systeme bieten Soft-Start/Stop-Funktionen mit konfigurierbaren Beschleunigungskurven.
Zwei Hauptbauformen existieren: Innenrotor-Systeme mit zentral gelagerter Filterscheibe und Außenrotor-Varianten mit umlaufendem Filterring. Letztere ermöglichen größere Filterdurchmesser bei kompakterer Bauweise.
Geschichte & Entwicklung
Panavision entwickelte 1983 das erste motorisierte Filtersystem für "Brainstorm", um komplexe Effektaufnahmen ohne Unterbrechung zu realisieren. Arri folgte 1987 mit der MMB-1, die erstmals Preset-Positionen und Fernbedienung über 25-polige D-Sub-Verbindung bot.
1994 revolutionierte Chrosziel den Markt mit CAN-Bus-gesteuerten Systemen, die Synchronisation mit Fokus- und Zoom-Motoren ermöglichten. RED integrierte 2008 rotierende Filterstufen direkt in Kameragehäuse. Aktuelle Systeme wie die Arri Signature Primes nutzen drahtlose Steuerung und GPS-Synchronisation für Multi-Kamera-Setups.
Praxiseinsatz im Film
Bei "Mad Max: Fury Road" (2015) ermöglichten rotierende Filterstufen nahtlose Übergänge zwischen ND-Filtern während Verfolgungsfahrten ohne Belichtungssprünge. "Blade Runner 2049" nutzte programmierte Filtersequenzen für atmosphärische Farbverläufe in den Außenwelt-Szenen.
Typische Bestückung umfasst Clear, ND 0.6/0.9/1.2, Polarisationsfilter und Pro-Mist 1/4. Die Steuerung erfolgt über Preston MDR-3 oder RT Motion Systeme. Kritisch sind Vibrationen beim Filterwechsel - moderne Systeme kompensieren durch Counter-Mass-Technologie.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber manuellen Mattebox-Filterstufen reduzieren rotierende Systeme Aufnahmeunterbrechungen um 60-80%. Linear-Filterschieber (Linear Filter Slides) bieten mehr Filterpositionen, benötigen jedoch größere Mattebox-Gehäuse.
Elektronische Variable-ND-Filter ersetzen zunehmend mechanische ND-Stufen, erreichen jedoch nur 6-7 Stops gegenüber 8+ bei Glasfiltern. Rotierende Systeme bleiben Standard bei anspruchsvollen Produktionen mit komplexen Filterwechseln, während einfache Drama-Drehs oft mit statischen Filterstufen arbeiten.