Schnelle Skizze der Kameraposition, Bewegung und Bildkomposition — Director und DoP zeichnen damit ab, was im Sucher landen soll. Spart Minuten bei der Positionierung.
Bevor die erste Kamera auf dem Set läuft, sitzt du mit dem Regisseur und skizzierst — buchstäblich mit Stift auf Papier oder Tablet. Das Scribble ist dein gemeinsames Werkzeug: eine flüchtige, ungefilterte Zeichnung der geplanten Einstellung. Keine architektonischen Pläne, keine Maßstäbe — nur Linien, die zeigen, wo die Kamera steht, wie sie bewegt, wo die Schauspieler sind und was im Bildrand landet. Dieser schnelle visuellen Dialog erspart dir später Stunden beim Setup.
Die praktische Kraft liegt in der Geschwindigkeit und der Unverbindlichkeit. Ein Scribble ist schnell weggeworfen, schnell geändert. Du zeichnest die Kameraposition (von oben betrachtet), markierst Bewegungen mit Pfeilen, skizzierst grob, wo Personen oder Möbel im Raum stehen. Der Regisseur sieht sofort, ob deine Interpretation seiner Szene passt. Wenn nicht, radierst du drei Linien weg und probierst die nächste Lösung. Das funktioniert schneller als verbale Beschreibungen — und präziser als bloßes Herumexperimentieren auf dem Set mit Stativ und Kamera. Besonders bei komplexen Bewegungsabläufen oder wenn mehrere Darsteller den Raum durchqueren, geben Scribbles Klarheit, bevor die erste AD Zeit für Setup-Pausen blockiert.
Am häufigsten nutzt du Scribbles in der Vorbereitung — beim Locationscout mit Regie, in der Produktionsbesprechung, oder direkt vor dem Drehen einer Szene. Auf größeren Produktionen bekommst du auch Grundrisse vom Production Designer; darauf skizzierst du dann Kameraposition und Bewegung ein. Manche DoPs präparieren ihre Scribbles schon zu Hause, andere zeichnen sie spontan auf dem Set, wenn sich während des Aufbaus noch etwas verschiebt. Das Tablet hat das Papierblock abgelöst, aber die Methode bleibt identisch — schnell, sichtbar, veränderbar. Ein gutes Scribble enthält auch Notizen zu Brennweite oder geplanter Schärfentiefe, falls relevant für die Bildgestaltung.
Das Scribble unterscheidet sich vom klassischen Storyboard dadurch, dass es intern bleibt und nur Kamera betrifft. Es ist nicht für den Drehplan konzipiert, sondern für die unmittelbare Koordination zwischen Regie und DoP — ein privater Austausch von Bildgedanken. Wer diese Gewohnheit kultiviert, spart nicht nur Zeit bei der Positionierung, sondern dokumentiert auch, dass Regie und DoP tatsächlich auf der gleichen Wellenlänge arbeiten, bevor die Uhr läuft.