Papierkarte für jede Rolle/Kassette — Szene, Take, Kameranummer, Stock-Typ, Belichtung. Bilddokumentation vor dem Einspielen und Entwickeln.
Jede Filmrolle, die aus der Kamera kommt, bekommt einen Bon — ein Papieretikett, das wie ein Reisepass für das Filmmaterial funktioniert. Darauf notiert der Kameraassistent oder die Dokumentation in Echtzeit: welche Szene, welcher Take, welche Kameranummer, Filmstock-Typ, ISO-Wert, Filterkombination, Belichtungskorrektur. Das Bon klebt direkt auf der Kassette oder wird am Filmkanister befestigt, bevor das Material ins Labor geht. Ohne diesen Papierkram keine Chance, später zu rekonstruieren, was technisch passiert ist — und das wird verdammt wichtig, wenn bei der Entwicklung etwas schiefgeht oder die Bilder in der Farbkorrektur nicht stimmen.
Die Praxis sieht so aus: Der 1. AC notiert während des Drehs auf einem Bon-Formular (meist vorgedruckt, mit Feldern für Datum, Produktionscode, Kamera-ID), welche Filmrolle gerade läuft. Nach dem Take wird die Nummer vom Monitor abgelesen, die Szenen-Nummer vom Regisseur übernommen, und sofort ein neues Bon beschriftet — unleserliche Handschrift ist Gift. Manche Teams arbeiten digital und drucken die Bons erst später, aber das ist riskant: Im Originaltonformat (16mm oder 35mm) ist das physische Bon im Magazin das einzige Backup, wenn der Datenfluss abreißt. Ich habe Produktionen gesehen, bei denen der digitale Log verloren ging und nur das handschriftliche Bon auf dem Filmkanister die Rettung war.
Ein gutes Bon erspart später im Labor, in der DIT-Abteilung und in der Nachbearbeitung Stunden Recherche. Das Entwicklungslabor braucht die Belichtungsinformationen, um die richtige Vorbelichtung und Entwicklungszeit zu wählen. Der Colorist kann nachvollziehen, ob die Licht-Situation konsistent war. Der Editor weiß sofort, welcher Take zu welcher Szene gehört — besonders wichtig bei Mehrkamera-Drehten. Das Bon ist also nicht nur Bürokratie, sondern Produktions-Gedächtnis. Eine beschädigte oder fehlende Beschriftung kann bedeuten, dass hundert Meter Film später nur schwer oder gar nicht zu sortieren sind. Deshalb: saubere Handschrift, Kugelschreiber (nicht Bleistift — verblasst), und jede Rolle wird einzeln dokumentiert, bevor sie den Set verlässt.