Text am unteren Bildrand — Dialogübersetzung oder Inhaltsverdeutlichung für Zuschauer ohne Sprachkompetenz. Auch: Stilmittel für Off-Text oder Zwischentitel.
Der Untertitel — englisch subtitle — ist ein Text, der am unteren Bildrand eingeblendet wird und gesprochene Dialoge übersetzt, schwer verständliche Passagen verdeutlicht oder hörgeschädigten Zuschauern akustische Informationen („Tür knallt", „düstere Musik") zugänglich macht. Untertitel sind die weltweit am häufigsten konsumierte Form der Filmübersetzung, deutlich verbreiteter als Synchronisation. Technisch sind sie eine Overlay-Ebene, die entweder burned-in (fest ins Bild gerechnet) oder als separater Track (DCP, Streaming, Blu-ray) ausgeliefert wird.
Technische Formate: SRT, VTT, DCP
Das einfachste Format ist SRT (SubRip Text): nummerierte Blöcke mit Timecode-In/Out und reinem Text, ohne Formatierung. WebVTT (Web Video Text Tracks) ergänzt rudimentäre Styling-Optionen (Farbe, Position, kursiv) und ist der Standard für HTML5-Video. DCP-Untertitel (Digital Cinema Package) sind XML-basierte Timed Text-Dateien, die im Kinosaal vom Projektor live gerendert werden — sie unterstützen Schriftarten, Positionierung (auch an den Seiten, bei vertikalen asiatischen Texten) und mehrsprachige Overlays. Streaming-Dienste verlangen zusätzlich ITT (iTunes Timed Text) oder DFXP (Distribution Format Exchange Profile). Für den Filmschaffenden bedeutet das: Wer internationale Auswertung plant, muss Untertitel in mindestens drei Formaten vorhalten lassen — SRT für Festival-Screener, DCP-Timed-Text fürs Kino, WebVTT fürs Web.
Gestaltungsregeln und Lesegeschwindigkeit
Professionelle Untertitel folgen strengen Konventionen: Maximal 42 Zeichen pro Zeile, maximal zwei Zeilen gleichzeitig, Lesedauer zwischen 1 und 6 Sekunden pro Block, minimale Pause zwischen zwei Blöcken 2 Frames (etwa 80 ms). Die Schrift ist fast immer weiß mit schwarzem drop shadow für Lesbarkeit auf hellem Grund. Position: unteres Bilddrittel, mittig, außer bei positioning subtitles, die Sprechern folgen. Der größte handwerkliche Fehler im Untertitel-Handwerk ist das zu schnelle Timing — ein Block, der nach 1,2 Sekunden verschwindet, ist unlesbar und frustriert den Zuschauer. Streaming-Dienste validieren Untertitel automatisch gegen reading speed-Limits (Netflix: 20 Zeichen pro Sekunde maximal).
Untertitel als Stilmittel
Untertitel können mehr als übersetzen. Gaspar Noés Enter the Void (2009) setzt Untertitel als grafisches Gestaltungselement ein: Sie pulsieren, wechseln die Farbe, erscheinen an ungewöhnlichen Positionen und werden Teil der Bildkomposition. Jean-Luc Godard experimentierte in Film socialisme (2010) mit absichtlich fragmentierten, unvollständigen Untertiteln („Navajo English"), die eher irritieren als übersetzen. Im Mainstream findet sich das Stilmittel selten, aber die burned-in subtitles in Filmen mit mehrsprachigen Dialogen (etwa Tarantinos Inglourious Basterds) sind bewusst gesetzte, typografisch durchgestaltete Elemente — kein nachträglicher Zulieferer-Job, sondern Teil der Bildgestaltung durch den DP und den Titeldesigner.
Aktuelles
Bei der digitalen Kinoprojektion werden Untertitel heute als separate XML-Dateien in DCP-Paketen (Digital Cinema Package) integriert. Während die ursprüngliche Fassung (OV) Audio und Video enthält, verweist eine Versionsansichtsdatei (VF) auf das OV-Paket und fügt die Untertitel-XML hinzu. Distributoren können so verschiedene Sprachversionen erstellen, ohne die gesamte Filmkopie neu zu erstellen.