Tagged Image File Format — unkomprimiertes oder verlustlos komprimiertes Bildformat für DI und VFX-Pipeline. Branchenstandard für Master-Archivierung, weil Qualität garantiert bleibt.
Im VFX- und DI-Workflow arbeitest du mit TIFF, weil es die einzige sinnvolle Wahl ist, wenn Qualität nicht verhandelbar ist. Während Compositor und Colorist mit komprimierten Formaten (ProRes, DNxHD) arbeiten können, landet jede finale VFX-Platte und jeder Color-Pass als TIFF-Sequenz im Archive — unkomprimiert oder mit Lossless-Kompression. Das ist nicht Pedanterie, das ist Geschäftssinn: Ein beschädigtes ProRes-File ist verloren, ein beschädigtes TIFF lässt sich rekonstruieren.
TIFF erlaubt dir mehrere Dinge gleichzeitig: 8-, 16- oder 32-Bit-Tiefe je nach Pipeline-Anforderung, Alpha-Channel, Metadaten-Speicherung, Lossless-Kompression (LZW, ZIP) für Archive ohne Qualitätsverlust. Beim DI-Mastering wird jede farbkorrigierte Frame als TIFF gespeichert, weil nur unkomprimiertes oder verlustfrei komprimiertes Material die colorimetrischen Anforderungen erfüllt. Du exportierst aus deinem Compositing-System (Nuke, Flame) heraus in TIFF-Sequenzen für die finale Qualitätskontrolle — ein Frame pro File, nummeriert, organisiert in Verzeichnisstrukturen, die der Automatisierung taugen.
Praktisch bedeutet das: Deine VFX-Plates gehen in uncompressed oder LZW-komprimiertes TIFF aus dem Scan-Labor rein. Du composittest dagegen in 16-Bit (Linearität), exportierst aber auch wieder als TIFF für den QC-Review und schließlich für das Master-Archive. Lange Speicherzeiten? Ja. Aber genau deshalb haben Studios TIFF-Archive, die 10, 15 Jahre alt sind und immer noch pixelgenau reproduzierbar — während alte ProRes-Codecs längst obsolet sind. Der technische Standard der Filmwirtschaft verlangt TIFF für Archivierungspflicht; Versicherungen decken nur TIFF ab.
Ein Nachteil: Dateigrößen. Eine 4K-TIFF kann 100 MB wiegen, eine komplette 90-Minuten-Sequenz also leicht 150 GB und mehr. Deshalb arbeitet die Pipeline zweistöckig — schnelle Proxy-Workflows mit ProRes oder DPX für den täglichen Betrieb, finales TIFF-Archiv am Ende. Bei hochvolumigen Projekten (große TV-Serien, Visual-Effects-Heavy-Movies) ist die TIFF-Verwaltung ein eigenes Logistik-Problem: Naming-Konventionen, Verzeichnisstrukturen, Backup-Strategie — alles muss dokumentiert sein, sonst wird die teuerste Ressource (die finale Datei) unmanagebarer Ballast.