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Tönung
Kamera · Technik

Tönung

Tint
tint viragecolor castlens tuning · 3 Verwandte Begriffe
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Tint ist ein spezialisierter Begriff der professionellen Film- und Videoproduktion.

Technische Details

Bei der chemischen Tönung wird das entwickelte Silberbild in Bleichlösungen (meist Kaliumferricyanid) gebleicht und anschließend in Farbbädern getönt. Standardkonzentrationen liegen bei 10-50g Farbstoff pro Liter Wasser bei Temperaturen von 18-20°C. Optische Tönung erfolgt durch Gelatine- oder Glasfilter mit Transmissionswerten zwischen 400-700nm Wellenlänge. Häufige Tönungsfarben sind Bernstein (amber), Blau (cyan), Sepia und Rosa, wobei Sepiatönung durch Schwefelverbindungen eine Lichtechtheit von über 100 Jahren erreicht.

Geschichte & Entwicklung

Die erste dokumentierte Filmtönung führte Georges Méliès 1902 in "Le Voyage dans la Lune" durch manuelle Einfärbung einzelner Frames durch. Pathé entwickelte 1906 das industrielle Schablonenverfahren Pathécolor. Ab 1910 etablierte sich die chemische Tönung als Standard, mit Agfa-Ansco als führendem Hersteller von Tönungschemikalien. Der Tonfilm ab 1927 schränkte die Tönung ein, da optische Tonspuren verfälschte Klangwiedergabe verursachten. Digital Cinema Packages (DCP) ermöglichten ab 2005 präzise digitale Tönung mit 12-bit Farbtiefe.

Praxiseinsatz im Film

Klassische Anwendungen: Bernsteintönung für Tageslicht ("Nosferatu", 1922), Blautönung für Nacht ("Der letzte Mann", 1924), Sepiatönung für Rückblenden ("The Godfather Part II", 1974). Moderne Digitalproduktionen nutzen Tönung für Zeitebenen: Orange-Amber für Vergangenheit, Blau-Cyan für Gegenwart ("Traffic", 2000). DaVinci Resolve und Avid Symphony bieten Tönung über Color Wheels mit HSL-Kontrolle. Renderzeiten betragen 2-8 Stunden pro Spielfilmlänge bei 2K-Auflösung.

Vergleich & Alternativen

Tönung färbt Lichter, Virage färbt Schatten - beide Verfahren kombiniert ergeben Zweifarbentönung. Color Grading ersetzt heute mechanische Tönung durch digitale Farbkorrektur mit präziser Kontrolle über Luminanz und Chrominanz. LUTs (Look-Up Tables) simulieren historische Tönungseffekte mit 1024³ oder 4096³ Farbwerten. Bei Archivrestaurierungen bleibt chemische Tönung authentischer als digitale Rekonstruktion, da Kornstruktur und Gradation des Originalmaterials erhalten bleiben.

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