Verkauf von Filmrechten an Distributoren oder Sendern vor Fertigstellung — finanziert Produktion. Typisch bei Indie-Filmen oder Koproduktionen.
Vorverkäufe sind das Finanzierungs-Rückgrat vieler Independent-Produktionen — du verkaufst Filmrechte an Distributoren, Fernsehsendern oder Streaming-Plattformen, bevor du auch nur eine Sekunde gedreht hast. Der Deal läuft auf Basis eines Drehbuchs, eines Directors, einer Cast-Besetzung und einer realistischen Budget-Planung. Damit sicherst du dir Kapital für die Produktion und minimierst das finanzielle Risiko deines Geldgebers.
In der Praxis funktioniert das so: Dein Line Producer und Producer präsentieren das Projekt auf Filmfestivals oder in direkten Pitches an potenzielle Käufer — Verleih-Unternehmen, öffentlich-rechtliche Sender (besonders in Deutschland und Skandinavien), oder regionale Distributoren. Jeder bringt ein Paket mit: Territorium (z.B. »nur Deutschsprachiger Raum«), Media-Rechte (Kino, TV, VOD), und eine Vorauszahlung. Diese Teilverkäufe werden dann gestapelt — du brauchst vielleicht fünf bis sieben Partner, um die volle Produktion zu finanzieren. Das Risiko verteilt sich entsprechend. Der Haken: Du musst liefern. Wenn dein Film ins Budget läuft oder die Besetzung abspringt, müssen die Partner teilweise ihre Verträge noch erfüllt sehen — das führt zu Konflikten, die über Produktionsversicherungen und Verträge gelöst werden müssen.
Typische Vorverkaufs-Szenarien sind deutsch-österreichische Koproduktionen mit ORF und ZDF, oder skandinavische Filme, wo öffentliche Sender 30–50 % der Finanzierung übernehmen. Streaming-Player wie Netflix oder Amazon kaufen inzwischen auch Vorverkaufs-Pakete, meist mit Exklusivitäts-Fenstern. Der Vorteil für dich als Produzent: Du hast Geld im Tresor, noch bevor die Postproduktion beginnt. Der Nachteil: Deine kreativen Entscheidungen unterliegen nun den Erwartungen mehrerer Vertragspartner — Schnittlänge, Ratings, Zielgruppen-Anforderungen. Manche Verkäufer verlangen Schnitt-Genehmigungen oder haben Bildschirm-Rechte, die dein kreatives Handeln einengen können.
Vorverkäufe erfordern realistische Budgetierung und glaubwürdige Projektpräsentationen. Zu viele Versprechungen führen zu Compliance-Problemen, zu wenige zu Finanzierungslücken, die dann über Eigenkapital oder In-Kind-Leistungen geschlossen werden müssen.