Überblendung zweier Bilder, sodass beide gleichzeitig sichtbar sind — analog zur Mehrfachbelichtung.
Du willst zwei Bilder gleichzeitig sichtbar machen — das eine durchschimmernd über das andere. Das ist Überlagerung, und sie funktioniert auf zwei völlig unterschiedlichen Wegen: optisch beim Belichten (analog oder digital-optisch) oder rechnerisch in der Post. Die praktische Konsequenz ist identisch: Transparenz statt Abdeckung. Ein Gespenst, das durch eine Wand geht. Ein Erinnerungsbild, das sich mit der Gegenwart mischt. Oder schlicht zwei Handlungen, die zeigen sollen: Das passiert zur gleichen Zeit.
Im klassischen Schnitt — und hier sprechen wir vom Zelluloid-Zeitalter — war Überlagerung die einzige Möglichkeit, simultane Handlung visuell zu erzählen, ohne zu schneiden. Der Cutter legt zwei Filmstreifen übereinander, belichtet sie zusammen auf Positiv. Die Schattenwerte addieren sich, das Bild wird heller, manchmal flau. Deshalb funktioniert Überlagerung am besten mit kontrastreich belichteten Motiven — ein dunkles Gesicht über hellem Himmel, nicht Schwarz auf Schwarz. Wer das nicht berücksichtigt, kriegt eine unleserliche Suppe.
Heute läuft das über digitale Compositing — du stockst zwei Clips übereinander, setzt die Deckkraft des oberen auf 50 oder 70 Prozent, und fertig. Deutlich präziser, deutlich wiederholbar. In DaVinci oder Premiere legst du die Blendmode auf Screen, Overlay oder Add, je nachdem, wie transparent du es haben willst. Der Vorteil: Du kannst die Opazität frame-genau animieren. Das Erinnerungsbild löst sich graduell auf, bis nur noch die Gegenwart übrigbleibt.
Praktisch am Set: Wenn du weißt, dass du überlagerst, dreh beide Takes mit ähnlicher Licht-Qualität. Eine Überlagerung unter Tageslicht mit einer unter Kunstlicht sieht selten gut aus — die Farbtemperatur verrät dich. Und bedenk: Sättigung leidet. Farben werden matter, wenn sie sich überlagern. Wenn du das nicht willst, muss der Schnitt kompensieren oder du drehst bewusst übergesättigt.
Überlagerung erzählt immer etwas: Traum, Vergangenheit, Gleichzeitigkeit, Gedankenstrom. Sie ist ein rhetorisches Mittel, nicht nur ein Effekt. Deshalb siehst du sie in Horrorfilm, Psycho-Drama, Montage-Sequenzen. Wer sie zu oft nutzt, verwässert die Aussage. Ein gelegentlicher Ghost-Moment wirkt stärker als Dauerbeschallung mit Transparenz.